Retrospektive

Der Bleistift, das Smartphone und die Kunst

Am Anfang war es der einzelne Bleistift, der Kerstin Schulz herausforderte. Mit dem Bleistift durchbohrt die leidenschaftliche Zeichnerin auf der Suche nach perfekten Linien und Strichen das Papier. Schlüsselerlebnisse, die den Prozess der Umdeutung vom Zeicheninstrument zum künstlerischen Material markieren. Einem Material, von dessen Schönheit sie seit jeher fasziniert ist und dessen Möglichkeiten sie bis heute nicht ausgeschöpft sieht. Kerstin Schulz trennt sich sehr früh von traditionellen Formen der Kunst. „Ich wollte nicht länger Zeichnungen an der Wand sehen“, beschreibt sie ihre ersten Objekte, „sondern viele benutzte Bleistifte so formieren, dass der Betrachter seine eigenen Bilder darauf projizieren kann.“

Ganz am Anfang “nur” das bevorzugte Zeicheninstrument von Kerstin Schulz wandelte der Bleistift sich bei ihr im Laufe ihres künstlerischen Schaffens immer mehr zum Material, aus dem sie Kunst machte. So entstanden mit der Zeit viele Bilder und Objekte aus Bleistiften: von Schreibtischlampen und Telefone über Bücherregale, Aktenkoffer und Garderobenständer bis hin zu ganzen Schreibtischen und Schreibtischstühlen.

Mit der Zeit wurde für Kerstin Schulz der Ort, an dem Zeichnungen entstehen, immer interessanter. Welche Zusammenhänge, so stellte sich ihr die Frage, bestehen zwischen der Zeichnung und seinem Entstehungsort? Und so keimte bei ihr die Idee, ein ganzes Schreibzimmer, ein Büro, den Ort, wo Gedanken Gestalt annehmen, nur aus Bleistiften zu bauen. Der Plan, eine solche begehbare Skulptur aus Millionen von Bleistiften zu schaffen, ließ sie nicht mehr los.

Für die Umsetzung dieser Idee war es immens wichtig, dass Kerstin Schulz seit Jahren von Faber-Castell mit Bleistiften zweiter Wahl  als künstlerischem Material unterstützt wird. Ohne Faber-Castell würde sich der BleistiftRaum nie verwirklichen lassen, wofür Faber-Castell an dieser Stelle ein großer Dank gebührt.

Während der Bleistiftraum, das Zentrum der Installation, seit zwölf Jahren im Atelier Dreieck stetig wächst, veränderte sich die Kommunikation grundlegend: Handys und Smartphones eroberten die Märkte. Neben dem Bleistift nutzen heute immer mehr Menschen ihre Smartphones, um ihre Kreativität auszuleben. Dieser Prozess soll sich in der Hülle des BleistiftRaumes widerspiegeln. Die Idee zum PencilMobileRoom ist geboren.

Der PencilMobileRoom mit seinem Zentrum, dem Schreibzimmer, und seiner Hülle, dem bildgewordenen virtuellen Netzwerk, verkörpert die Zeit vor und nach der Digitalisierung und damit das Spannungsfeld, dem viele Menschen in den letzten zwei Jahrzehnten ausgesetzt waren und sind. Er lädt dazu ein, in eine generierte Wirklichkeit einzutauchen.

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