Kerstin Schulz und ihre Materialien

Kerstin Schulz

1967 in Hannover geboren
Grafik-Design-Studium und Studium der Bildenden Künste in Hannover (Meisterschülerin bei Verena Vernunft)
Seit 2000 freischaffende Künstlerin
Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland

http://www.atelier-dreieck.de/atelier.html

„Wir formen unser Werkzeug,
und danach formt unser Werkzeug uns.“
Marshall McLuhan, 1911-1980, Wegbereiter und Prophet der Internetkultur

Tausende spitzer Bleistifte, ein Wandteppich aus Farbsträngen, die aufgestellten Farbtuben entquellen, oder eine mit unzähligen Sonderpreisetiketten ummantelte Handtasche. Staunen, ja fast kindliches Entzücken stellt sich beim Betrachter ein. Ist es nur der Reiz des Wiedererkennens, die Freude daran, geläufige Gegenstände des Alltags, völlig ihrer Funktion beraubt, in altbekannten Zusammenhängen neu zu entdecken? Oder ist es vielmehr die überwältigende Fülle der Einzelteile, die Kerstin Schulz montiert und zu einem Einzelstück verdichtet?

Natürlich weiß die Künstlerin, dass sie sich eines beliebten Prinzips in der Kunst bedient. Mit der Verwandlung des Banalen und Alltäglichen zum künstlerischen Material steigt es in die Spähre des Bedeutungshaltigen und Besonderen auf. Für sie ist jedoch die Masse des Materials das entscheidende Moment. Der Massenrausch ist durchaus beabsichtigt. Ebenso wie die Verstärkung der Wahrnehmung durch die Materialmasse. Masse ist ein negativ besetzter Begriff. Für Kerstin Schulz ist Masse per se nichts Negatives. „Auch die Natur ist verschwenderisch“, gibt sie zu bedenken und erinnert an Millionen weißer Kirschblüten im Frühling. „Ich bediene mich eines erfolgreichen Evolutionsprinzips, das allerdings dem alles bestimmenden Effizienzdenken zuwiderläuft.“

Kerstin Schulz stellt die Frage der Kommunikation von Materie in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Deshalb verwendet sie nur Materialien, die zur Kommunikation im herkömmlichen Sinn gebraucht werden. Material kommuniziert und wenn man nicht nur einen Bleistift benutzt sondern tausende, entsteht, so nennt sie es, „Materialstress“. Die Spannung, die sich dabei in ihren Objekten aufbaut, etwa wenn aus spitzen Bleistiften etwas Weiches, Samtiges oder etwas Alltägliches, wie zum Beispiel ein Telefon, entsteht, lädt den Betrachter ein, genauer hinzusehen, neue Formen zu entdecken und Gewohntes zu hinterfragen.

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